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Im Jahr seines zehnjähren Bestehens zählte der Musikverein Söflingen stolze 375 Mitglieder. Mit 41 Mann war die Kapelle eine der größten und leistungsstärksten im “Süddeutschen Musikerverband” (im Durchschnitt hatte ein Verein 13 Aktive). Nach Instrumenten waren es: 2 Flöten, 1 Oboe/Lyra, 2 Es-Klarinetten, 9 B-Klarinetten, 4 Flügelhörner, 4 Trompeten, 4 Waldhörner, 4 Tenorhörner, 1 Bariton, 4 Posaunen, 3 Tuben und 3 am Schlagzeug.

Im Juni führte die erste Auslandsreise im Sonderzug für 120 Mitglieder nach Bregenz.

Im September durften die Vorstädter als erste Zivilisten das traditionsreiche sonntägliche Paradekonzert auf dem Ulmer Hauptwachplatz (heute die “Neue Mitte”) bestreiten – bisher war dies den Militärorchestern vorbehalten gewesen. Da am selben Tag die Reichstagswahl war, gab der Musikverein im damaligen Konzerthaus, dem Saalbau in der Bahnhofsstraße, ein “Wahltagskonzert”.

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1931 konnte der Musikverein beim Bezirksmusikfest in Langenau den begehrten Laichinger Wanderpokal erringen (angetreten in der Oberstufe mit dem Kunststufenstück “Hamlet-Ouvertüre” von E. Bach). Nur ein einziger Punkt Vorsprung verhinderte, daß dieser endgültig in Blaubeurer Besitz überging. Nicht nur musikalisch besaßen die Söflinger inzwischen Gewicht: sie ruinierten nebenbei ein nicht unbedingt auf sie ausgelegtes Kinderkarussell!

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Im Zuge der Weltwirtschaftskrise erreichte die Arbeitslosigkeit in Deutschland im Jahre 1932 ihren Höhepunkt. Schon zuvor waren erwerbslosen Mitgliedern die Beiträge erlassen worden. Musikalische Auftritte bedeuten ein Zubrot. Außerdem bekamen sie die Kosten bei Ausflügen, geselligen Zusammenkünften (Zeche) und sonstigen Veranstaltungen erstattet. Finanzielle Hilfe gab es auch in besonderen Notfällen.

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1933 erhielt der Musikverein Zuwachs aus der aufgelösten Söflinger Feuerwehrkapelle, ebenso deren Instrumentarium.

Beim Bezirksfest in Seißen konnte der Wanderpokal erfolgreich verteidigt werden (Selbstwahlstück: “Rienzi”-Ouvertüre, R. Wagner, Stundenchor: “Dramatische Ouvertüre”, W. Schneider).

Das Ansinnen der Neu-Ulmer SA sowie des Ulmer Reservesturms, die erfolgreiche Kapelle als ihren Musikzug einzugliedern, wurde per Mehrheitsbeschluß von den Musikern abgelehnt. Im Vereinsausschuß kam es in dieser Sache zu wüsten Auseinandersetzungen. Dennoch konnte man sich der Gleichschaltung nicht entziehen, da sonst die Zwangsauflösung gedroht hätte: die Vereins”führer” mußten Mitglied der NSDAP sein, Beitritt zur Reichsmusikkammer, Verbot von Musikstücken jüdischer Komponisten … Einstweilen bestand nur die Verpflichtung, bei durchschnittlich 15 Veranstaltungen des Staates oder der Partei im Jahr die Musik zu stellen.

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Nach Angriffen parteitreuer Ausschußmitglieder traten die beiden amtierenden Vorsitzenden Lude und Schreiber 1934 zurück. Die Gründungsmitglieder Andreas Jakober – bis 1932 auch Chorführer – und Georg Duckeck als Stellvertreter übernahmen die Verantwortung in schwieriger Zeit.

Neun Musiker wechselten zur Parteikapelle über und nahmen ihre vereinseigenen Instrumente gleich mit. Nach Protest konnte deren Rückgabe erwirkt werden. Dieser Verlust konnte durch den ausgebildeten Nachwuchs sowie die Aufnahme von Musikern aufgelöster Kapellen ausgeglichen werden.

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1935 erhielt der Musikverein Söflingen beim Bezirksmusikfest in Rißtissen zum dritten Mal hintereinander den 1. Preis und die höchste Punktzahl und sicherte sich damit endgültig den Wanderpokal (Kunststufe – Preisstück: Ouvertüre “Maritana” von Vincenz Wallace, Stundenchor: “Die Tellskapelle” von Franz Liszt). Das Wertungsgericht beschied:

“Es erübrigt sich, durch kleinliche Nörgelei diese Glanzleistung auch nur im geringsten zu trüben. Söflingen und der ganze Bezirk kann stolz sein auf diese prachtvolle und tongewaltige Kapelle und ihren hervorragenden Dirigenten.”

Wegen einer Flugblattaktion wurden drei Musiker – darunter der Vorsitzende – vorübergehend von der Gestapo verhaftet.

Im Laufe des Jahres wuchsen das Blasorchester auf 46 (Auflösung der Ulmer Kapelle “Presto”), das Streichorchester auf 36 Mitglieder an. Außerdem entstand ein Spielmannszug.

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1937 debütiert das von zwei aus Mannheim stammenden Musikern gegründet Männer(doppel)quartett. Ins selbe Jahr fällt ein Besuch bei deren Heimatgesangsverein “Deutsche Einheit” in M.-Freudenheim.

1937

4. Reihe: Jakob Walter, Eugen Spieß “II”, Alfred Weber, Fritz Ruoß, Georg Lohrmann, Karl Ungerer, Wilhelm Bantel, Konrad Allig, Josef Wild, Fr. Brandt, Eugen Metzger, Eugen Pfomann, Hans Kraus; 3. Reihe: Hugo Metzger, Kurt Leisling, Alfred Schenk, Erwin Strohmeier, Karl Bauder, Josef Hasenmaile, Wilhelm Lohrmann, Andreas Zwiebel, Andreas Braunwarth, Hans Kurz, Walter Hanold, Fritz Lohrmann, Georg Ströhle, Walter Knoll, Otto Armbruster; 2. Reihe: Oskar Karan, Franz Deufel, Gustav Fiesel, Wilhelm Götz, Georg Schütz, Albert Groß, Eugen Spieß “I”, Ernst Schneider, August Schneider, Emil Westhäuser, Kurt Maidl, Jakob Ströhle, Jakob Bauer, Gottfried Mall; 1. Reihe: Paul Mohring, Karl Dauner, Eugen Gansloser, Gottlob Bausch, Paul Renner, Andreas Jakober, August v. Nessen, Robert Trump, Jakob Jakober, Wilhelm Ströhle, Karl Daur; vorne: Hans Haag und Erwin Knoll

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1938 verstarb der 2. Vorsitzende und Gründungsdirigent Georg Duckeck. Nachfolger wurde der frühere Vorstand Georg Lude.

Nachdem der Druck und die Einschränkungen im Laufe der Jahre immer größer geworden waren und sich zwischenzeitlich weitere NS-Organisationen (Deutsche Arbeitsfront, Motorstandarte) der Kapelle hatten bemächtigen wollen, konnte man sich der Gleichschaltung schließlich nicht mehr entziehen. Im April 1938 wurde die Vereidigung als neuer Musikzug der Ulmer SA-Standarte 120 vollzogen (der alte war – zugleich städtisches Orchester – 1937 aufgelöst worden). Zugesichert war, das Vereinsleben nicht zu beeinträchtigen und weiterhin die eigenständige musikalische Leitung. Die Einkleidung erfolgte auf Kosten der SA, wohingegen die Stadt Ulm künftig für die Anschaffung von Instrumenten und Noten sowie Reparaturen aufkommen sollte.

Die SA-Gruppe Südwest (Baden, Württemberg-Hohenzollern) bestimmte den Musikzug 120 zu ihrem Vertreter auf dem Reichsparteitag in Nürnberg. Trotz der Umstände soll erwähnt werden, daß die Söflinger bei der mit dem Vorbeimarsch an der Führertribüne verbundenen Wertung unter 86 Musikzügen – zusammen mit zwei weiteren – den ersten Platz erlangten.

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Mit Kriegsbeginn 1939 wurden 19 Aktive zur Wehrmacht einberufen, am Jahresende waren es insgesamt 34 Vereinsmitglieder. Bei Vereidigungszeremonien im September zählte der Musikkörper dadurch nur noch 24 Mann, das Streichorchester schrumpfte zum Quartett. Weil der monatliche Beitrag vorläufig nicht mehr erhoben wurde und sich die SA weigerte, den Dirigenten zu entlohnen, wurden August von Nessen beurlaubt. Die musikalische Leitung übernahm zunächst Chorführer Robert Trump, dann der vom Militärdienst zurückgekehrte Andreas Jakober.